Ariowitsch-Heim


Das ›Ariowitsch-Heim‹, auch ›Ariowitsch-Stiftung‹ genannt, wurde 1931 von den Ariowitschs, einer angesehenen jüdischen Pelzhändler-Familie in Leipzig, gegründet, um die Not alter Menschen zu lindern. Das Gebäude im Leipziger Waldstraßenviertel war für die damalige Zeit hochmodern ausgestattet: Es gab Einzel- und Doppelzimmer mit fließend warmem und kaltem Wasser und einen Aufzug. Im Erdgeschoss befand sich ein Betsaal, an dessen Seitenwänden Wandmalereien mit der Gesamtansicht von Jerusalem zu sehen waren, und drei getrennte Küchen: die milchige, die fleischige und die Pessachküche. Als die Vertreibung und Deportation der jüdischen Bevölkerung begann, blieben zahlreiche alte Menschen unversorgt zurück, so dass sich das Altersheim schnell füllte. 1942 lebten 350 Menschen in dem Gebäude, dass eigentlich für 60 Personen zugeschnitten war. Sie wurden am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert. Fast alle wurden dort umgebracht. 1943 übernahm die Gestapo das Gebäude und machte es zu ihrer Leitstelle. Im Kohlenkeller wurden Haftzellen eingerichtet, in denen Gegner des Regimes verhört und gefoltert wurden. Nach Ende des Krieges zog die amerikanische Militärverwaltung in das Haus. Sie war zuständig für die sogenannten "displaced persons", die Überlebenden der Konzentrationslager. Einigen wies sie in dem Haus vorübergehend ein Zimmer zu. Später nutzte die sowjetische Armee das ehemalige Heim als Verwaltungssitz. Und ab 1948 diente es als städtisches Altersheim. Seit 1996 steht das Gebäude leer und wird nun umgebaut. Es soll zum Begegnungszentrum der israelitischen Religionsgemeinde Leipzig für jüdische und nichtjüdische Menschen werden.