Auszug aus dem Katalog Kalte
Herzen, 2004
„Kaum zu überbrücken erscheint die Distanz zur Vergangenheit
in Johanna Diehls Film- und Toninstallation, die in Kindheits-erinnerungen um
den Verlust des Vaters kreist und dabei nur immer deutlicher eine Leerstelle
bezeichnet. Aus dem Off spricht die Autorin selbst und versucht in kleinen,
unverbundenen Episoden beinahe zwanghaft Erinnerungen zu beschwören und
das Gewesene herbeizuzitieren. Doch bei aller Plastizität der Details lässt
sie Entscheidendes aus und nennt das Geschehene ebenso wenig beim Namen, wie
die Motive der drei statischen Einstellungen, in denen die Freifläche der
Landschaft den Betrachter in stetiger Erwartung eines Protagonisten hält,
leer und wenig aussagekräftig erscheinen. Die Bilder wirken vor allem atmosphärisch
durch den medialen Filter des nostalgischen Super-8-Filmmaterials, das die beiläufig
gezeigte Landschaft erst mit affektivem Erinnerungswert auflädt.
Annette Urban, ‘Herzen unter Glas - über Momente des Obsessiven und
Analytischen’, in: ‘Kalte Herzen - Klasse Rautert’, Timm Rautert
(Hg.), Schaden.com Buchhandlung, Köln 2004